Unsagbare Worte – Trauma, Poesie und die Suche nach Gott
In das weitestgehend unbeachtete Feld der Spuren, die Traumata in der Gottesbeziehung Missbrauchsbetroffener hinterlasse, tritt das Buch „Unsagbare Worte. Trauma, Poesie und die Suche nach Gott" von Annette Buschmann und Andreas Stahl. Grundlage sind die autobiografischen Gedichte Buschmanns, die selbst Betroffene sexualisierter Gewalt durch ihren Vater, einen Pastor, ist. Rezensentin Marie-Pasquale Reuver würdigt insbesondere den Zugang über die Poesie zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen, deren Sprache eher ermögliche, der Erfahrungswelt Betroffener an vielen Stellen gerecht zu werden, als es in Interviews oder autobiografischen Berichten oft möglich sei. Mit der Thematisierung der Gottesfrage angesichts von Missbrauch in der Sprache der Poesie und dem partizipativen Forschungsansatz, in dem Zeugnisse Betroffener bereits in die Entstehung der Publikation einbezogen seien, wage die Publikation etwas, das in der Forschung bisher kaum zu finden sei. Insgesamt sei der Band als sehr gewinnbringender Beitrag zur Aufarbeitung von Missbrauch in den Kirchen zu deuten, der Missbrauchsbetroffene ernst nehme und ihnen im theologischen Diskurs eine Stimme gebe. (Paula Geraldy)