Eine neue katholisch-lehramtliche Geschlechteranthropologie?
Lassen sich aus dem Abschlussdokument der Weltsynode 2021-2024 Hinweise auf eine erneuerte lehramtliche Geschlechteranthropologie folgern? Ansätze dafür erkennt der von Martina Bär und Julia Enxing herausgegebene Sammelband „Reziprozität statt Komplementarität? Erkundungen zur veränderten kirchlichen Rezeption der Geschlechterverhältnisse“, den Alina Potempa für theologie.geschichte rezensiert hat. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass dem Dokument nicht mehr die Denkweise einer Komplementarität der Geschlechter zugrunde liege, sondern stattdessen siebenmal auf das Verständnis einer Reziprozität Bezug genommen werde. Während erstere mit stereotypen Wesenszuschreibungen an die Geschlechter strukturelle Hierarchien festige, gehe es nun um Gegenseitigkeit, Gleichwertigkeit und Partizipation. Dennoch verstehe das Synodendokument auch diese Form eines reziproken Miteinanders weiterhin an heterosexuelle Matrix, Ehe und Zweigeschlechtlichkeit gebunden und leite daraus keinen Ämterzugang für Frauen ab. Der Band eröffne Perspektiven für eine weitere Ausweitung dieses Verständnisses, auch auf non-binäre Geschlechtlichkeit, mach aber auch deutlich, dass eine Spürbarkeit der Begriffsveränderung in der Wirklichkeit von der weiteren Rezeption abhänge.