Zwischen Gehorsam und Machtmissbrauch: Sexualisierte Gewalt gegen Ordensfrauen
Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche ist seit Jahren Gegenstand intensiver Aufarbeitung, doch standen dabei vor allem Kinder und Jugendliche im Fokus. Mit ihrer Studie „Sexueller Missbrauch an Ordensfrauen im deutschsprachigen Raum. Ein unterschätztes Phänomen und seine systematischen Bedingungen“ widmet sich Barbara Haslbeck diesem bislang wenig erforschten Themenfeld und zeigt, welche Faktoren Missbrauch ermöglichen, wie dieser sich konkret auswirkt und was Betroffenen im Umgang mit ihren Erfahrungen geholfen hat. Ziel der empirisch-qualitativen Studie ist es, die subjektiven Erfahrungen von 15 (ehemaligen) Ordensfrauen sichtbar zu machen und zu analysieren, unter welchen Bedingungen sexueller Missbrauch entstehen und aufrechterhalten werden kann. Die Arbeit Haslbecks mache laut Rezensent Pavlos Leußler deutlich, dass der Missbrauch eng mit spezifischen Strukturen des Ordenslebens verbunden sein kann. Christliche Ideale wie Gehorsam, Hingabe und Selbstentäußerung sowie die Tabuisierung von Sexualität, fehlender Aufklärung sowie unklare Rollenverhältnisse erschweren, dass Frauen sich zu wehren beginnen und begünstigen Abhängigkeitsverhältnisse. Leußler würdigt Haslbecks Studie als wichtigen Meilenstein in der Erforschung sexuellen Missbrauchs an Ordensfrauen im deutschsprachigen Raum. Zugleich weist er auch auf notwendige Themen für die weitere Forschung hin.