Wissenschaftsgeschichtliche Aufarbeitung am Beispiel des Reallexikons für Antike und Christentum (RAC)
Mit dem von Maren Niehoff und Francesco Zanella herausgegebene Sammelband „Das frühe Reallexikon für Antike und Christentum (RAC) und der Nationalsozialismus“ liegt auch für das altertumswissenschaftliche Standardwerk ein erster Beitrag zur in den letzten Jahren begonnenen wissenschaftsgeschichtlichen Aufarbeitung vor. Beleuchtet werden die Entstehung des RAC, seine Redaktion und Autoren sowie einzelne Artikel. Dabei zeigt sich eine ideologische, wissenschaftspolitische und wirtschaftliche Abhängigkeit vom Nationalsozialismus, etwa durch personelle Verbindungen zum „Eisenacher Entjudungsinstitut“, womit auch eine judenfeindliche Stoßrichtung einiger Lexikonartikel einhergeht. Nach dem Krieg wurden entsprechend geprägte Beiträge nicht grundlegend überarbeitet, sondern antisemitisches Gedankengut bis in die 1970er Jahre von Redaktion und Herausgebern akzeptiert. Eine Neufassung des Artikels zum Thema „Antisemitismus“ erschien erst 2022. Rezensent Timo Klär betont die unbedingte Notwendigkeit solcher Aktualisierungen. Zugleich sieht er den Band als Beispiel dafür, wie Einordnungen der früheren Fassungen, die diese Praxis begleiten sollten, verhindern können, dass belastete Geschichte verdeckt wird, sondern tatsächlich Aufarbeitung erfolgt.