Das Losverfahren in der Kirche – Vergangenheit, Vorbehalte und Perspektiven

Das Losverfahren erlebt ein Comeback – sowohl in der Politik als auch in der katholischen Kirche. Während Bürgerräte als Mittel direkter Demokratie diskutiert werden, gibt es erste kirchliche Experimente mit gelosten Gremien. Doch historisch stand die Kirche dem Losverfahren skeptisch gegenüber. Jonas Maria Hoff und Christian Tasche beleuchten in ihrem Artikel Geloste Ämter in der Kirche? diese Hintergründe und deren Bedeutung für aktuelle Entwicklungen.

Bei den ersten Jesus-Anhängern kam das Los etwa nach Darstellung in der Apostelgeschichte (Apg 1,15–26) bei der Wahl des Apostels Matthias zum Einsatz, doch im Mittelalter setzte sich eine kritische Haltung durch. Thomas von Aquin argumentierte in De Sortibus, dass kirchliche Ämter durch den Heiligen Geist bestimmt würden, nicht durch den Zufall. 1225 untersagte Papst Honorius III. das Verfahren für die Bestimmung kirchlicher Ämter aus theologischen und machtpolitischen Gründen.

Trotz dieser Tradition sehen Hoff und Tasche Potenzial. Moderne Losverfahren könnten Beteiligung stärken, Machtkonzentrationen aufbrechen und neue Perspektiven in kirchliche Entscheidungsprozesse einbringen. Die Beispiele aus Paderborn und Köln zeigen, dass geloste Gremien die Legitimität kirchlicher Entscheidungen erhöhen könnten. Allerdings müsse das Los als methodisches Instrument verstanden werden – nicht als göttliche Fügung.

Der Beitrag liefert eine theologische Reflexion über die kirchliche Verwendung von Losverfahren und ordnet sie in ihren historischen und dogmatischen Kontext ein. Hoff und Tasche plädieren dafür, das Verfahren als Ergänzung zu bereits bestehenden Strukturen zu nutzen und so neue Wege in der Kirchenleitung zu erproben.

Lesen Sie mehr im bei theologie.geschichte erschienenen Artikel von Jonas Maria Hoff und. Christian Tasche:

https://theologie-geschichte.de/ojs2/index.php/tg/article/view/1352