Rechtspopulismus und die Macht der Region: Neue Perspektiven auf AfD und Lega

2026-03-02
Warum ist die AfD in Ostdeutschland deutlich stärker als im Westen? Und weshalb konnte die italienische Lega ihren Einfluss zeitweise vom Norden auf den Süden ausweiten? Die politikwissenschaftliche Dissertation „Rechtspopulismus, Nation und Territorium. AfD in Ost- und Westdeutschland, Lega in Nord- und Süditalien“ von Giovanni de Ghantuz Cubbe zeigt, dass Rechtspopulismus nicht nur auf nationale, sondern insbesondere auf territoriale Identitäten aufbaut. Wie August Leugers-Scherzberg in seiner Rezension hervorhebt, analysiert de Ghantuz Cubbe die AfD und die Lega als politische Akteure, die bestehende regionale Konfliktlinien nicht nur inhaltlich aufgreifen, sondern diese aktiv neu deuten und politisch instrumentalisieren würden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie diese Parteien Vorstellungen von „Volk“, Demokratie und politischer Zugehörigkeit territorial verankern und damit spezifische regionale Identitäten mobilisieren. Für die AfD zeige die Studie, dass die ostdeutschen Landesverbände der Partei „Volk“ und Demokratie häufig stärker mit Ostdeutschland als mit der Bundesrepublik insgesamt verbinden. Diese Perspektive geht mit einer politischen Rhetorik einher, die (insbesondere westdeutsche) Eliten als abzulehnende Oberschicht propagiert und so anti-westdeutschen Tendenzen und die Vorstellung einer Geringschätzung des Ostens verstärke. Im Vergleich zur Lega in Italien zeigt sich ein wichtiger Unterschied: Während die AfD eher auf eine polarisierende territoriale Strategie setzt und bestehende Ost-West-Unterschiede politisch zuspitzt, verfolgte die Lega-Partei zeitweise eine depolarisierende Strategie, indem sie unterschiedliche regionale Identitäten unter einem gemeinsamen nationalen Narrativ zu verbinden suchte. Beide Parteien bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen regionaler Identität und gesamtstaatlich-nationaler Mobilisierung. Rezensent Leugers-Scherzberg hebt hervor, dass die Studie eindrücklich zeige, wie zentral territoriale Deutungen für die politische Strategie rechtspopulistischer Parteien sind. Die Dissertation liefere damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der politischen Dynamik des Rechtspopulismus in Europa. Sie zeige zugleich die Grenzen wie auch die strategischen Möglichkeiten dieser Parteien auf und verweise darauf, dass ihre politische Zukunft wesentlich davon abhängt, wie erfolgreich sie regionale Identitäten in nationale politische Projekte integrieren können. Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichen Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-4