Archiv

2022

Frontseite Beiheft 1: Gemeinschaftskonzepte im 20. Jahrhundert

Nr. 1 (2022): Gemeinschaftskonzepte im 20. Jahrhundert. Zwischen Wissenschaft und Ideologie

Gemeinschaft – dieses „magische Wort der Weimarer Zeit“ (Kurt Sontheimer) – ist bis heute ein gängiger Begriff, um das Miteinander von Menschen zu beschreiben. Vereine, Kirchengemeinden, politische Gruppen, Betriebe, Kindergärten, Schulen und selbst internationale Organisationen von Staaten verstehen sich als „Gemeinschaft“ oder werden als solche bezeichnet. Dabei ist der Begriff in Deutschland aufgrund der Volksgemeinschaftsideologie des Nationalsozialismus erheblich vorbelastet. Ist Gemeinschaft deshalb ein Begriff, den man in Wissenschaft und Praxis lieber vermeiden sollte?

2021

Titelseite

Nr. 11 (2021): Die Wahrheitsmacher. Ludwig Volk und die Kommission für Zeitgeschichte 1962–1984

Die Katholizismusforschung in der Bundesrepublik Deutschland wurde seit Beginn der 1960er Jahre von der Kommission für Zeitgeschichte dominiert. Diese kirchennahe Institution zeichnete ein weitgehend homogenes und apologetisches Bild der jüngeren Vergangenheit der katholischen Kirche und des deutschen Katholizismus. Erst seit Beginn der 1990er Jahre entstanden unabhängige Forschungsnetzwerke, die zu einer gewissen Pluralisierung im Bereich der Katholizismusforschung führten. Nichtsdestoweniger bestimmen die Publikationen der Kommission bis heute die Geschichtsschreibung über die Rolle des deutschen Katholizismus im 20. Jahrhundert. Wie es der Kommission glückte, in diese zentrale Position innerhalb des bundesdeutschen Wissenschaftsbetriebs zu gelangen, ist bis heute weitgehend ungeklärt. Diese Studie auf der Grundlage des Nachlasses einer Schlüsselfigur der Kommission für Zeitgeschichte gibt erstmals Einblick in die interne Kommunikation dieses katholischen Historikernetzwerks.


2020

Titelseite

Nr. 10 (2020): Körper und Rationalität. Historische und ethische Perspektiven auf die Konstruktion und Rationalisierung von Körper und Körperlichkeit

Aktuelle Diskussionen um Human Enhancement durch Fitness, chirurgische Eingriffe und gentechnische Veränderungen, Überlegungen zum Transhumanismus sowie die Körperinszenierung in sozialen Medien stellen unser Verständnis von Körperlichkeit und nicht zuletzt das in der ‘westlichen’ Geistesgeschichte einflussreiche und meist dualistisch konzipierte Begriffspaar von Körper und Rationalität erheblich in Frage. Die Beiträge im vorliegenden Band untersuchen die Konstruktion und Rationalisierung von Körper und Körperlichkeit aus verschiedenen Perspektiven: Sie erörtern historische Rationalisierungsprozesse unter zeit- und religionsgeschichtlichem Fokus und analysieren aus ethischer Sicht gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskurse um Körper, Leib und Rationalität.

2017

Titelseite

Nr. 9 (2017): Diskurse über „Form“, „Gestalt“ und „Stil“ in den 20er und 30er Jahren

Der Band vereinigt die Vorträge einer internationalen, interdisziplinären Tagung zum Thema "Diskurse über‚ Form‘, ‚Gestalt‘ und ‚Stil‘ in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts", die vom 16. bis 18. Januar 2015 als sechste Tagung der Reihe "Theologie und Vergangenheitsbewältigung" im Robert-Schuman-Haus in Trier stattfand. Vertreter/innen der Geschichtswissenschaft, Theologie, Pädagogik, Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte diskutierten über die Verschränkung dieser Diskurse und ihre Bedeutung in erkenntnistheoretischen Ansätzen, im Kontext politischer Bewegungen, in der Kunst, in Psychiatrie und Pädagogik, sowie in religiösen und spirituellen Diskursen und deren Nähe zu völkischer Ideologie.

2014

Titelseite

Nr. 8 (2014): Genderaspekte in der Aufarbeitung der Vergangenheit

Der Band vereinigt die Vorträge einer internationalen, interdisziplinären Tagung zum Thema "Genderspezifische Aspekte der Aufarbeitung der Vergangenheit", die vom 11. bis 13. Januar 2013 als fünfte Tagung der Reihe "Theologie und Vergangenheitsbewältigung" im Robert-Schuman-Haus in Trier stattfand. Vertreter/innen der Geschichtswissenschaft, Theologie (evangelisch und katholisch), Pädagogik, Germanistik und Kunstgeschich - te diskutierten über die historisch konstruierte, kulturell geregelte und subjektiv angeeignete Bedeutung der Geschlechterdifferenz (Joan W. Scott) im Blick auf ausgewählte Fragen einer Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des sog. real existierenden Sozialismus/ Stalinismus. Dabei standen insbesondere das Konzept der hegemonialen Männlichkeit und genderspezifische Aspekte der Opfer-Täterproblematik und des Widerstandes im Spiegel von Erinnerung und Aufarbeitung im Fokus der Diskussion.

2013

Titelseite

Nr. 7 (2013): Zwischen Revolutionsschock und Schulddebatte

Hat Nuntius Eugenio Pacelli antisemitische Nuntiaturberichte während der Münchner Räterepublik verfasst? Verharmlosten protestantische Geistliche die Ermordung der 21 katholischen Gesellen durch die Weiße Garde 1919? War der Münchner Erzbischof Michael von Faulhaber ein Kriegshetzer? Warum traten Mathilde und Erich Ludendorff aus der evangelischen Kirche aus und gründeten ihre eigene völkisch-religiöse Bewegung? Wieso kam "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth erst so spät in München zur Aufführung? Bewältigt die Katholische Kirche unbewusste Schuldgefühle gegenüber früher ausgegrenzten, in Auschwitz ermordeten Menschen durch ihre späte Verehrung als Märtyrer? Musste in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern erst ein Generationenwechsel kommen, damit sie sich der NS-Vergangenheit ungeschminkt stellen konnte?

Der Münchner Arbeitskreis Katholizismus-/Protestantismusforschung widmet sich in acht Beiträgen aus interdisziplinärer Perspektive kritischen Fragen zur Münchner Geschichte zwischen der Novemberrevolution von 1918 und dem Jahr 2012. Unter Auswertung bislang unbeachteter und neu zugänglicher Quellen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu bemerkenswerten Ergebnissen, die wertvolle Impulse für weitere Forschungen liefern.
Cover Beiheft 6

Nr. 6 (2013): The German Corpse Factory. The Master Hoax of British Propaganda in the First World War

Joachim Neander
The German Corpse Factory
The Master Hoax of British Propaganda in the First World War

2012

Titelseite

Nr. 5 (2012): „Doppelte Vergangenheitsbewältigung“ und die Singularität des Holocaust

Der Band vereinigt die Vorträge einer internationalen, interdisziplinären Tagung zum Thema Doppelte Vergangenheitsbewältigung und die Singularität des Holocaust, die im Januar 2011 in Trier durchgeführt wurde. Vertreter/ innen der Geschichtswissenschaft, Theologie (evangelisch und katholisch), Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte diskutierten, wie die Debatten um die Einzigartigkeit des Holocaust aus heutiger Perspektive betrachtet werden können, ob Vergleiche von Diktaturen und Verbrechen zu einer Relativierung des Holocaust führen, ob die Aufarbeitung der einen Vergangenheit die der anderen beeinträchtigt u.a.m.. Dabei zeigte sich, dass die beidenTagungsschwerpunkte Doppelte Ver gangen heits bewältigung“und Singularität des Holocaust engmiteinander verflochten, die verschiedenen wissenschaftlichen und politischen Diskurse aber nicht inentsprechender Weise miteinander verbunden sind.
Titelseite

Nr. 4 (2012): Die Pius-Bruderschaft und das Zweite Vatikanische Konzil

Als Papst Benedikt XVI. 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft aufhob und eine Rückkehr dieser Splittergruppe in die katholische Kirche in Aussicht stellte, wuchs auch die Sorge um den Stellenwert des Zweiten Vatikanischen Konzils, welches die Piusbrüder ablehnen, innerhalb der Kirche. Der Autor geht der Frage nach, welche Kritikpunkte und Ressentiments die Lefebvre-Anhänger gegen das Konzil vorbringen und verdeutlicht dies an den drei Konzilsdokumenten zur Offenbarung (Dei Verbum), zur Religionsfreiheit (Dignitatis humanae) und zum Ökumenismus (Unitatis redintegratio). Weiterhin wird gezeigt, welche Gefahren eine Wiederaufnahme der 'Traditionalisten' in die Kirche birgt.

2011

Titelseite

Nr. 3 (2011): Karl Adam und der Nationalsozialismus

Zu seinen Lebzeiten gehörte der Tübinger Dogmatiker Karl Adam zu den bekanntesten und einflussreichsten katholischen Theologen Deutschlands. Späteren Generationen galt er als Erneuerer der katholischen Theologie und Vorläufer des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seine tiefe Verstrickung in den Nationalsozialismus ist lange verdrängt worden. Adam begeisterte sich für Adolf Hitler und das neue Lebensgefühl, das er in der nationalsozialistischen "Bewegung" zu spüren glaubte. Schließlich wurde er Mitglied in einer konspirativen Gruppe nationalsozialistischer Priester und ließ seine Theologie letztlich stärker von Kategorien wie "Volk" und "Rasse" bestimmen als von der christlichen Botschaft.
Zur Autorin: Dr. Lucia Scherzberg ist Professorin für Systematische Theologie an der Universität des Saarlands. 2001 wurde sie mit einer Arbeit über Karl Adam in Tübingen habilitiert.

2010

Titelseite

Nr. 2 (2010): Widerstand? Forschungsperspektiven auf das Verhältnis von Katholizismus und Nationalsozialismus

Gab es einen katholischenWiderstand? Ist der Begriff „Widerstand“ überhaupt geeignet, um das Verhältnis von Katholizismus und Nationalsozialismus zu beschreiben? Die Kontroversen um Katholizismus und Kirche im NS-Regime klingen auch 65 Jahre nach der Befreiung Deutschlands nicht ab. Doch obwohl die Erforschung des ‚Dritten Reiches‘ stark von öffentlich ausgetragenen Debatten profitiert hat, dominiert im Bereich der Katholizismusforschung ein in Lagern arbeitendes und denkendes Forschungsverhalten:
Kontroversen werden so eher in Fußnoten als auf dem Podium ausgetragen. Diesem Muster folgte der Schwerter Arbeitskreis für Katholizismusforschung (SAK) bewusst nicht, sondern brachte auf seiner Generaldebatte, aus der dieser Sammelband hervorgegangen ist, unterschiedliche Positionen und methodische Neuansätze zusammen. Die Beiträge geben damit wertvolle Impulse, ein scheinbar alt bekanntes Thema aus einer veränderten Perspektive neu anzugehen.
Titelbild: t.g Beihefte 1/2010

Nr. 1 (2010): Gemeinschaftskonzepte im 20. Jahrhundert zwischen Wissenschaft und Ideologie

Gemeinschaft – dieses „magische Wort der Weimarer Zeit“ (Kurt Sontheimer) – scheint bis heute ein unverzichtbarer Begriff zu sein, um das Miteinander von Menschen zu beschreiben. Vereine, Kirchengemeinden, politische Gruppen, Betriebe, Kindergärten, Schulen und selbst internationale Organisationen von Staaten verstehen sich als „Gemeinschaft“ oder werden als solche bezeichnet. Dabei ist der Begriff in Deutschland aufgrund der Volksgemeinschaftsideologie des Nationalsozialismus erheblich vorbelastet. Spielt diese Vorgeschichte heute noch eine Rolle – ist Gemeinschaft ein Begriff, den man in Wissenschaft und Praxis lieber vermeiden sollte?


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