Religion bei den GRÜNEN: Eine Studie zum Gründungsjahrzehnt der Partei

2026-10-09
Mit seiner Dissertation „‘Wir wollen Sonne statt Reagan! Religiöse und spirituelle Dimensionen im ersten Jahrzehnt der Partei GRÜNEN‘“ liefert Manuel Kögelmaier eine religionswissenschaftliche Studie. Diese fragt, welche Formen von Religion und Spiritualität in der Partei auftraten und welche Wirkung sie dort hinterließen. Untersucht werden Diskursgemeinschaften mit religiösen Prägungen innerhalb der GRÜNEN, etwa der anthroposophische „Achberger Kreis“, die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Kommune-Bewegung“, die BAG „Christen bei den GRÜNEN“ und die darin einflussreiche „Initiative Demokratischer Christen“ (IDC). August H. Leugers-Scherzberg hat die Monographie für theologie.geschichte rezensiert und mit einem eigenen Quellenkorpus abgeglichen, über den er als ehemaliger Herausgeber des Pressedienstes der BAG „Christen bei den GRÜNEN“ verfügt. Dabei ergebe sich teils ein anderes Bild, als es durch Kögelmaiers Informationsquellen und Archivrecherchen gezeichnet würde, die sich weder durch Archivalien und schriftliche Auskünfte von IDC-Mitgliedern noch von leitenden Akteur:innen der „Christen bei den GRÜNEN“ speisen. Statt durch einen starken anthroposophischen Einfluss sei die IDC vor allem durch Münsteraner Studierende und Promovierende der Katholischen Theologie geprägt gewesen, die eine Politische Theologie im Sinne Johann Baptist Metz’sozialreformerisch in praktische Politik umzusetzen versuchten. Auch werde die Bedeutung der Pädophilie-Debatte und des sexuellen Missbrauchs in der BAG Kommune-Bewegung sowie deren Zusammenhang mit Spiritualität und Religiosität zu wenig beleuchtet. Zudem hätte der Einfluss der Christen-BAG, etwa im Konflikt um den Evangelischen Kirchentag 1987 und dessen Verbindung zur Deutschen Bank, Erwähnung verdient. Dennoch würdigt der Rezensent, dass es dem Autor gelinge, die religiös geprägten Diskursgemeinschaften sowie ihre Verbindungen zur Partei darzustellen. Als Knotenpunkte religiösen Sprechens identifiziert Kögelmaier die Themenbereiche: Apokalypse, Krise und Umkehr, Gewaltlosigkeit, Toleranz, Liebe und Frieden, Ganzheitlichkeit, Wissenschaft und Technik sowie Weiblichkeit, Hexen und Göttinnen. Trotz Einwänden ist die Studie für den Rezensenten ein wichtiger religionswissenschaftlicher Beitrag. Der theoretische und methodische Zugang erweise sich als äußerst produktiv, herauszuarbeiten, welche Rolle religiöses Sprechen, Rituale und Spiritualität in der Gründungsphase der GRÜNEN spielten, und rege zu weiterer Erforschung des grünen Milieus an.   Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichten Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-37