Propaganda im transnationalen Kontext: Das „Dritte Reich“ und die Weltöffentlichkeit
2026-04-23
Wie das „Dritte Reich“ international wahrgenommen und wie es selbst versuchte, diese Wahrnehmung zu steuern, beleuchtet der Sammelband „‚Und morgen die ganze Welt‘. Nationalsozialismus und internationale Öffentlichkeit“, herausgegeben von Benno Nietzel und Norman Domeier. Der Band eröffnet dabei neue Perspektiven auf die Erforschung nationalsozialistischer Propaganda. Laut Rezensent Clemens Zimmermann stehe im Zentrum dieser transnationalen Perspektivenerweiterung die Einsicht, dass das NS-Regime nicht isoliert agierte, sondern in vielfältige internationale Kommunikations- und Wahrnehmungsprozesse eingebunden war, die es zugleich aktiv zu beeinflussen suchte.
Die Beiträge des Bandes untersuchen dabei unterschiedliche Dimensionen dieser Verflechtungen. Sie analysieren die Wahrnehmung der rassistischen und antisemitischen Politik des NS-Regimes im Ausland, die internationalen Verbreitungswege von Informationen sowie die komplexen Wechselwirkungen zwischen Propagandaangeboten und deren Rezeption. Dabei sei besonders hervorzuheben, dass die Wirkung von Propaganda nicht als einseitiger Manipulationsprozess verstanden werden kann, sondern maßgeblich von der jeweiligen Aufnahme und Deutung durch unterschiedliche Zielgruppen abhing. Deutlich werde auch, dass nationale Grenzen die Informationsweitergabe nicht verhinderten und dass die Medien aktiv an der Konstruktion eines „Deutschtums in Übersee“ beteiligt waren.
Der Band mache damit deutlich, dass eine angemessene Analyse des Nationalsozialismus nur im Kontext internationaler Öffentlichkeiten möglich ist, auch weil deutsche Presseorgane ständig im Austausch mit internationalen Öffentlichkeiten standen und Teile seiner Medien- und Propagandapolitik ausdrücklich an ihnen ausrichtete. Zugleich verweist Zimmermann auch auf methodische Herausforderungen und zukünftige Forschungsbedarfe, insbesondere hinsichtlich der Untersuchung konkreter Rezeptionsprozesse und der stärkeren internationalen Vernetzung in der Forschung.
Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichen Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-10 (Paula Geraldy)