Jüdisches Leben und Shoah-Erinnerung in der DDR: Neue Perspektiven

2026-04-21
(Paula Geraldy) Wie an die Shoah in der DDR und der SBZ zwischen 1945 und 1990 erinnert wurde, zeigt Alexander Walther in seiner umfangreichen Studie „Die Shoah und die DDR. Akteure und Aushandlungen im Antifaschismus“. Der Autor widmet sich der Frage nach der Thematisierung der Shoah in der Nachkriegszeit und eröffnet neue Einblicke in die Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Erbe im Osten. In drei, durch zeitliche Zäsuren gegliederten Kapiteln behandelt Walther dieses Thema und geht dabei laut Rezensentin Jeannette van Laak von einem „weiten Shoah-Verständnis“ aus, das die Shoah nicht nur als Genozid an der jüdischen Bevölkerung begreife, sondern auch ihre nachträgliche, sozialistisch überformte Thematisierung in der Zeit nach dem Nationalsozialismus einbeziehe und darin fortgesetzt sehe. Walther zeichne ein vielschichtiges Bild der Jahre zwischen 1945 und 1989 nach, indem er sowohl bekannte als auch weniger bekannte jüdische Akteur:innen in den Blick nimmt. Im Zentrum steht die Frage, wie diese die Shoah thematisierten, ein nichtjüdisches Publikum ansprachen und trotz politischer wie gesellschaftlicher Widerstände an diesem Anliegen festhielten. Mit dem Generationenwechsel seit den späten 1970er Jahren traten neue Spannungen hervor. Jüngere Stimmen hinterfragten die etablierten Deutungsmuster und reagierten auf das in der DDR-Gesellschaft anhaltende Schweigen über den Nationalsozialismus ebenso wie auf offenen Antisemitismus. In den 1980er Jahren entwickelte sich daraus ein wachsendes Interesse an jüdischem Leben und Geschichte. Die Studie zeige, dass die Erinnerung an die Shoah in der DDR keineswegs einheitlich verlief und insbesondere durch zivilgesellschaftliche Initiativen an Sichtbarkeit gewann. Van Laak würdigt Walthers Studie als eine sorgfältig recherchierte und überzeugende Arbeit, die ein differenziertes Bild der DDR-Gesellschaft zeichne und lange vernachlässigte Aspekte jüdischen Lebens sichtbar mache. Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichen Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-11