Ist die Bibel frauenfeindlich? Ein Sammelband mit offenen Fragen
2026-09-21
Der von Agnethe Siquans und Sigrid Eder herausgegebene Band „Ist die Bibel frauenfeindlich? Biblische Frauenbilder und was wirklich dahintersteckt" versammelt eine Vielzahl kurzer und verständlicher Beiträge, die der titelgebenden Frage nachgehen. Die verschiedenen Aufsätze widmen sich mehrheitlich alttestamentlichen Themen, darunter weibliche Gottesbilder, das Geschlecht Gottes und der Menschen, Göttinnen, Familienbilder, Schönheit, Prostitution, Mutterschaft und Vergewaltigung. Hinzu treten zehn Aufsätze, die sich mit Themen des Neuen Testaments auseinandersetzen.
Rezensentin Ulrike Sals hebt einzelne Artikel ausdrücklich hervor. Stark sei der Band dort, wo es um tatsächlich frauenfeindliche Texte gehe, wie etwa in Ursula Rapps Analyse der Männlichkeits- und Weiblichkeitskonzepte in Kohelet und Jesus Sirach. Ähnlich beeindruckend seien die meisten neutestamentlichen Beiträge, so auch Andrea Taschl-Erbers Auseinandersetzung mit der Unsichtbarmachung von Frauen in frühchristlichen Leitungsfunktionen anhand der Übersetzungsgeschichte von Röm 16,7. Insgesamt überzeugen die Überschriften der Beiträge sowie literarisch orientierte Erläuterungen.
Insgesamt blieben jedoch zu viele Fragestellungen hinter den aktuellen Debatten zurück und offen. Sals kritisiert vor allem die begriffliche Unschärfe: Was Frauenfeindlichkeit heißen soll, werde nicht definiert, und auch der Patriarchatsbegriff bleibe undiskutiert, obwohl es kein einheitliches Patriarchat über Kulturen und Epochen hinweg gebe. Historisch sei der Band als schwach zu beurteilen. Dies sieht sie als symptomatisch für eine überwiegend rein literarisch arbeitende feministische Exegese. Zudem fehle die Behandlung einer Reihe einschlägiger Texte zu dem Thema, weiterführende Potenziale blieben damit also unausgeschöpft. Trotz einiger hervorragender Artikel hätte sich die Rezensentin einen anderen Buchtitel, eine sorgfältigere Konzeption und mehr herausgeberische Eingriffe gewünscht.
Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichten Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-38 (Paula Geraldy)