Antisemitismus und die AFD
2026-10-26
Dass die AfD ein Antisemitismus-Problem hat, wird mit Blick auf öffentliche Reden und Parteiprogramme, in denen von „Schuldkult“, „Vogelschiss“ und „Denkmal der Schande“ die Rede ist, schnell deutlich. Stefan Dietl geht in seinem Buch „Antisemitismus und die AfD“, welches bereits in zweiter Auflage erschienen ist, jedoch der These nach, inwieweit der Antisemitismus dem politischen Denken der AfD von Grund auf innewohne. Diese Frage ist umso berechtigter, da sich die AfD immer dann als „Garant jüdischen Lebens“ inszeniert, wenn sie dies mit dem Kampf gegen Einwanderung verbinden könne. Dabei sei mit Einwanderung meist ausschließlich islamische Migration gemeint.
Deutlich antisemitische Weltverschwörungstheorien seien allerdings in Welterklärungsmodellen herauszulesen, die mit Sprachhülsen arbeiten würden, wie Rezensent Wolfgang Pauly sie benennt, etwa der Gegenüberstellung von „Finanzkapital“ und „Volksgemeinschaft“ und der Rede von „globalistischen Eliten“ oder einer „Geldmachtelite“. Auch im Zusammenhang mit den Begriffen eines „christlichen Abendlandes“ und einer „christlich-europäischen Leitkultur“ ließen sich Gemeinsamkeiten zwischen der AfD-Ideologie und der Agenda rechtskonservativer christlicher Gruppen herausarbeiten. Beide Seiten würden sich gegen Werte wie Emanzipation, Individualität und Pluralität positionieren und stattdessen eine „Rückbesinnung auf Familie, Nation und Religion“ fordern. Zudem werde von beiden ein aus dem Judentum stammendes Christentum grundsätzlich ausgeblendet und die Erinnerung an die Shoah als „hemmend“ für die Durchsetzung deutscher Interessen propagiert. So weise Dietl außerdem daraufhin, dass der Antisemitismus nie aus unserer Alltagskultur verschwunden sei, sich mit der parlamentarischen Verankerung der AfD jedoch der Raum des Sagbaren in Hinblick auf antisemitische Aussagen deutlich vergrößert habe.
Pauly würdigt, dass Dietl mit seinem Buch Licht auf einen bisher eher vernachlässigten Aspekt im „Kampf gegen die AfD“ werfe. Weiterführende Forschung könne sich laut Pauly insbesondere mit dem im österreichischen Linz beheimateten, AfD-nahen katholischen Internetportal „kath.net“ hinsichtlich seines Antisemitismus, Antimodernismus und dogmatischen Fundamentalismus auseinandersetzen.
Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichten Rezension: https://theologie-geschichte.de/ojs2/index.php/tg/article/view/1465 (Paula Geraldy)