Biblische Inspirationen für eine zeitgemäße Schöpfungsethik
2026-08-24
Ruben Zimmermann vereint in seinem Buch „Wäre Jesus Klimaaktivist? Biblische Inspirationen für eine zeitgemäße Schöpfungsethik“, das nach der Aufschrift eines von Klimaaktivist:innen 2024 am Ulmer Münster angebrachten Transparents betitelt ist, die Argumentationsebenen der biblischen Exegese, der systematischen Schöpfungsethik und der zeitgemäßen, aktuellen Anwendung beider. Gregor Taxacher bezeichnet das Werk in seiner Rezension als „Glücksfall“, da allen drei Zugängen gleichermaßen entsprochen würde und betont zudem dessen Verständlichkeit.
Es wird herausgestellt, dass der für den christlichen Glauben maßgebliche ‚erinnerte Jesus‘ der biblischen Quellen, etwa mit seiner Umkehrpredigt, eine prophetische, apokalyptische und politische Prägung, aber auch eine ökologische Schöpfungsspiritualität aufweist, womit sich Klimaaktivist:innen auf diesen beziehen können. Anachronismus-Vorwürfen könne entgegnet werden, dass dieser vom ‚historischen Jesus‘ der historischen Kritik zu unterscheiden ist.
Jedoch hätte man, laut Taxacher, gern genauer erfahren, wie sich methodisch verhindern ließe, mit Zimmermanns Öko-Hermeneutik deren eigene Prinzipien in die Texte hineinzulesen.
Der Rezensent würdigt Zimmermann als einen der wenigen Exeget:innen, die den „animal turn“ auch in der Theologie rezipieren, da er das Vorkommen von Tieren in der Bibel theologisch ernst nehme. So deute er etwa die traditionell als Religionskritik im Hinblick auf Opfer- und Tempelverständnis gelesene Perikope von der Tempelreinigung im Johannesevangelium als Kritik an einer Tier-Ökonomie des Tempelkultes und Tierbefreiungsaktion. Somit gelte die johanneische Vorstellung von der Verwandlung von Sklaven in Freunde nicht nur den Menschen. Die Schlussfolgerung, dass dem entsprechend im frühen Christentum auf Tieropfer verzichtet wurde, sei aber kritikbedürftig. So greife diese - sonst im Buch gut vermiedene - anti-jüdische Auslegungen der Tempelperikope auf. Auch handele es sich um kein Spezifikum des in seiner Praxis nicht tierfreundlicheren Christentums, da auch das Judentum seit der Tempelzerstörung keine Tieropfer mehr kennt.
In der aktuellen theologischen und kirchenpolitischen Kontroverse betreibe das Buch selbst politische Theologie und mische sich sehr konkret in die Debatte um die Klimakatastrophe und die politischen Auseinandersetzungen ein, statt diese nur als Relevanzlieferant für ökotheologische Zugänge heranzuziehen. Letztlich positioniere es sich gegen Stimmen, die umweltethisches Engagement der Kirchen als falsche Apokalyptik oder Pseudoreligion ablehnen und dazu ihrerseits auf die Bibel, beziehungsweise Eschatologie und Vergänglichkeit der Schöpfung zu verweisen versuchen.
Lesen Sie mehr: https://theologie-geschichte.de/ojs2/index.php/tg/article/view/1444/1914