Kritische Auseinandersetzung mit Legendenbildung um Willi Graf

2026-05-20
In Forschungsbeiträgen der letzten Jahre zu Willi Graf wurde deutlich, dass das Bild eines von Anfang an und durch seine katholische Frömmigkeit zur Opposition gegen das NS-Regime prädestinierten Widerstandskämpfers als Legendenbildung ausgewiesen werden kann. Eine 2025 erschienene Neuauflage des erstmals 2009 erschienenen Buches „Willi Graf – ein Weg in den Widerstand“ von Peter Goergen ignoriert jedoch wesentliche Erkenntnisse dieser seither auch bei theologie.geschichte veröffentlichten Forschung. So merkt August H. Leugers-Scherzberg in seiner kritischen Rezension etwa an, dass sich Überarbeitungen der Neuauflage lediglich auf das Kapitel zum Grauen Ordne beschränken, allerdings nur insofern, als dass die Unternehmungen des Grauen Ordens in den 1930er Jahren anhand von Fotoalben kurz erläutert und abgedruckt würden. Eine Berücksichtigung der kritischen Edition der Verhörprotokolle unterbleibe ebenso wie eine Auseinandersetzung mit Erkenntnissen über die Verteidigungsstrategie Willi Grafs, sich von der Weißen Rose zu distanzieren, um der Hinrichtung zu entgehen, über sein Engagement in einer NS-Organisation und über die NSDAP-Mitgliedschaft seines Vaters. Weiterhin zitiere Gorgen noch immer aus der 1964 erschienen Quellensammlung von Klaus Vielhaber. Darin enthaltene systematische Manipulationen und Entstellungen von Quellentexten wurden jedoch längst nachgewiesen, ebenso wie die Unhaltbarkeit von Helmut Gressung verbreiterter und von Goergen reproduzierter Legenden. Dass ein Buch über den Grauen Orden im Literaturverzeichnis aufgeführt sei, ohne dass eine Auseinandersetzung damit stattfinde, verdeutlicht, dass Fußnoten eben noch lange keine Wissenschaft machen. Der Rezensent bestätigt das, was bereits in einer Rezension der Erstauflage von Christine Hikel (heute Friederich) bereits deutlich wurde: Goergen schreibt nicht für ein wissenschaftliches Publikum, sondern handele seine Sympathie gegenüber Willi Graf in schriftlicher Form aus. Lesen Sie mehr in der auf theologie.geschichte veröffentlichen Rezension: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-20  (Paula Geraldy)