Bd. 21 (2026)
Artikel

Befreiungsethik interkulturell und dekolonial – Enrique Dussel und Emmanuel Levinas im Gespräch

Ulrike Sallandt
Carl-Ossietzky-Universität, Oldenburg
Biografie

Veröffentlicht 2026-02-10

Abstract

„Wenn wir uns der Realität als Exteriorität zuwenden und die Exteriorität, die wir erforschen, eine neue historische Realität ist, dann kann die Philosophie, die von dieser Tatsache ausgeht, wenn sie authentisch ist, gleichermaßen nicht weniger neu sein“. – E. Dussel, Philosophie der Befreiung, 1989 (org. 1977), S. 54. Eine gemeinsame Betrachtung von Emmanuel Levinas und Enrique Dussel ermöglicht es, europäische philosophische Ansätze im dekolonialen Diskurs Lateinamerikas kritisch wahrzunehmen, zu analysieren und zu interpretieren. Auf der Grundlage einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Begriff der Exteriorität soll nach den Konsequenzen einer geopolitischen Erweiterung dieser Kategorie gefragt werden. Inwiefern ermöglicht die Befreiungsethik, Ethik nicht nur als Imperativ zu postulieren, sondern sie als unausweichliche Verantwortung des Menschseins an sich zu begründen? Dieser Frage soll im vorliegenden Beitrag nachgegangen werden, räumlich-situativ angebunden an komplexe Lebenswirklichkeiten, die mehr denn je einem kontinuierlichen Wandel unterliegen. Ziel ist es nicht, ein ethisches Programm zu entwerfen oder den Leser:innen konkrete Handlungsanweisungen an die Hand zu geben. Vielmehr geht es darum, einen Beitrag zu einer grundsätzlich ambiguitätssensiblen Haltung der Verantwortung inmitten von und in Beziehung zu Alteritätsphänomenen zu leisten. Keywords: Emmanuel Levinas, Enrique Dussel, Exteriorität, Befreiung/Befreiungsethik, Dekolonisierung, Verantwortung.