Kirche und Rechtsextremismus. Wie damit umgehen?
2026-09-04
Anliegen des von Bettina Schlauraff und Sönke Lorberg-Fehring herausgegebenen Bandes „Kirche gegen den Hass. Mit dem alltäglichen Rechtsextremismus umgehen. Theologische und praktische Ansätze für Gemeinden“ ist es, Unterstützungsangebote für Haupt- und Ehrenamtliche in kirchlichen Arbeitsfeldern im Umgang mit Rechtsextremismus bereitzustellen. Dazu finden sich neben historischen, politischen und theologischen Beiträgen auch Andachten und Predigten sowie Projektvorstellungen und Praxisberichte im Band. Nach Rezensent Mariusz Chrostowski geht es bei diesen somit sehr unterschiedlichen Gattungen aber eher um individuelle unterschiedliche Beispiele als um systematisch aufeinander beziehbare Zugänge oder allgemeingültige einheitliche Handlungskonzepte. Dennoch könne als gemeinsamer Ertrag der analytischen Beiträge erkannt werden, dass nicht nur rechte Vereinnahmungen des Christentums zurückzuweisen sind. Darüber hinaus müsse die Kirche auch ihre eigenen Voraussetzungen hinsichtlich des Umgangs mit belasteten Traditionsbeständen und der theologischen Bewertung konkurrierender Auslegungen und Begründung öffentlich getätigter Grenzziehungen klären.
In den Predigten und Andachten werde Widerstand durch geistliche Rede in prägnanten Gegenbildern von Verwundbarkeit, Erinnerung, Gleichwürdigkeit und Selbstkritik statt Stärke, Verdrängung, ethnischer Sortierung und Selbstgewissheit geformt. Jedoch falle die theologische Präzision der Beiträge unterschiedlich aus. Auffällig sei, dass in einem Beitrag paulinische Freiheit und pharisäisches Gesetzesdenken kontrastiert und Stimmungsmache rechts- und linksextremer Gruppen pauschal parallelisiert würde, während in anderen Beiträgen vor antijüdischen Deutungsmustern gewarnt und Rechtsextremismus als aktuell größte Bedrohung ausgemacht werde.
Bei den Praxisberichten und Vorstellungen von Projekten gehe es um Dialogformate, Wahlforen, Kommunikationstrainings oder Netzwerke. Dabei werde deutlich, dass es zum Schutz bedrohter Menschen auch notwendig werden kann, vom Prinzip, mit allen in Dialog zu treten, abzukehren. Inwiefern diese tatsächlich Einstellungen verändern oder Radikalisierungsprozesse unterbrechen konnten, könne den Beispielberichten jedoch nicht wirklich entnommen werden. Auch Übertragungen zur Anwendung in anderen kirchlichen Konstellationen werden aufgrund der ausgeprägten konfessionellen und regionalen Kontextgebundenheit der Projekte erschwert. Somit berichte der Band, wie in situativen Kontexten verantwortliches Handeln erfolgt, was in anderen Kontexten jeweils neu zu prüfen sei.
Lesen Sie mehr: https://doi.org/10.48603/tg-2026-rez-32